Manja Ellrich: Humorvoll den Herausforderungen des Mama-Alltags trotzen

Manja Ellrich

Manja Ellrich hat sich bei mir als Gastautorin gemeldet und so bin ich über Instagram mit ihr in Kontakt getreten. Nachdem ich mich ein wenig durch ihren Blog gestöbert habe, habe ich festgestellt, mit welcher humorvollen Art und Weise Manja ihren Alltag schildert. Ganz nach meinem Geschmack.

Bevor es jedoch zu irgendwelchen Gastartikeln auf Moms 4 Moms kommt, habe ich sie direkt gefragt, ob sie Teil der Mom-Portraits Reihe werden möchte und sie hat „ja“ gesagt.

Wer bist du, wie lebst du und wie viele Kinder hast du?

Hallo, ich bin Manja (40 Jahre) und schreibe als Mamahonk auf meinem Familienblog „Mamastisch“ über die Unzulänglichkeiten des (späten) Mamaseins (Kinderwunsch, Fehlgeburt, Familienalltag, Bänderdehnung).

Als Inspiration dienen mir – gerne auch mal unfreiwillig – der schwer erziehbare Mann und meine zwei bezaubernden Töchter, Fünkchen (0) und Knopf (6). Mit meiner Familie lebe ich in Jena das Leben einer Kleinstadtmama.

Aktuell bin ich in Elternzeit mit unserer zweiten Tochter, die mehr als 5 Jahre und 3 Fehlgeburten auf sich warten ließ. Das war ein langer und beschwerlicher Prozess.

Wenn meine Elternzeit 2023 endet, begebe ich mich wieder hauptberuflich in den Hochschulalltag als Schwergewicht im Administrationskampf. Ehrenamtlich blogge ich weiter und halte auch hier mein Schwergewicht – mit Kinderriegeln.

Wenn du an den Anfang deiner Mutterschaft zurückdenkst, wie ging es dir damals?

Mir ging es spitzenmäßig. Das Baby hat von Anfang an durchgeschlafen, sodass ich Kraft für Sport hatte und innerhalb von nur drei Monaten 10 kg unter meinem Ausgangsgewicht lag. Nach der Elternzeit konnte ich in eine höhere Position bei meinem bisherigen Arbeitgeber einsteigen. In Teilzeit und mit doppeltem Gehalt.

Schmarrn. Es war ein Schock. Knopf war zuckersüß und ich ging über vor Liebe. Doch sie war ein Schreibaby par excellence. Das ist schon clever von der Schöpfung eingerichtet. Ansonsten hätte ich für nichts garantieren können.

Ihr abendliches Weinen brachte mich an die Grenzen meiner mentalen Kräfte und die Spül- und Waschmaschine an die Grenzen ihrer Aufnahmekapazitäten. So viel aß ich und so selten wusch ich Wäsche in dieser Zeit.

Mein Anker: Ohropax. Ohne Scheiß. Ich bin meiner Hebamme so dankbar, dass sie mir die Verwendung von Ohropax quasi „erlaubt“ hat. Ich selbst dachte, das kannst du doch nicht tun, dachte, wenn das Baby leidet, muss ich auch leiden und fürchtete, dass ich ihren Hungerkampf überhöre, während ich friedlich schlafe.

Und andere Mamas gaben mir Halt. Ich hing an deren Tropf wie eine Sterbende. Dank ihrer Zuwendung ging es schnell aufwärts. Schon bald helikopterte ich mich als Mama durch die Welt.

Was hat sich bei dir seitdem persönlich verändert?

Mit der Geburt änderten sich zwei entscheidende Faktoren in meinem Leben.

Erstens: Mein Wohnort. Ich bin von Dresden nach Jena gezogen. Dafür musste ich den Job wechseln. Das war hart. Ein bisschen wie die Trennung von der ersten großen Liebe.

Zweitens: Apropos Liebe. Unsere Paarbeziehung änderte sich grundlegend. Bis zur Geburt unserer ersten Tochter führten der Mann und ich eine Fernbeziehung.  Dann zogen wir zusammen. Manchmal war es nicht leicht, gleichzeitig einen Kampf um die richtige Ausrichtung der Klopapierrolle zu führen und das Leben mit einem Säugling zu überleben. 

Irgendwie haben wir es gemeistert. Jetzt lebe ich mein Leben viel intensiver, weiß meistens genau, was ich will oder eben auch nicht will. Ich habe schlichtweg keine Zeit, lange zu grübeln. Daran fehlt es mir schließlich am meisten: Zeit.

Statt Zeit habe ich jetzt Sorgen. Sorge, dass die Kinder krank werden oder ich irgendetwas übersehe und sie davon Schaden nehmen.

Als Mama bin ich gleichzeitig reicher und ärmer geworden. Es gibt jetzt doppelt so viel Liebe in meinem Leben, doch nur noch halb so viel Geld.

Ansonsten hat sich nicht so viel geändert. Ich trauere der Zeit mit abendlichen Unternehmungen kaum hinterher. Ich bin eher dankbar, mit den Kindern aktuell ein Alibi zu haben, dass ich abends auf der Couch bleiben kann.

Mama Manja mit Baby, was die Brille runterreißt
Auf humorvolle Art gibt Manja regelmäßig Einblicke in ihren Mama-Alltag als Mamahonk.

Was bedeutet heute Mutterschaft für dich?

Halt, Geborgenheit und Orientierung. Ich habe mich nach der Geburt meiner ersten Tochter taufen lassen. Ich denke, das zeigt, wie tief und wundervoll das Leben als Mama für mich ist.

Welche Herausforderungen gibt es in deinem Mama-Alltag und wie gehst du damit um?

Da gibt es viele: Von Geschwisterkonflikten über Zeit- und Interessenkonflikten bis hin zu Beziehungskonflikten mit dem Mann deckt mein Alltag das komplette Spektrum ab. Da fällt mir ein: Darf ich bei der vorherigen Frage „Konflikte“ als Antwort ergänzen.

Alles resultiert daraus, dass ich plötzlich drei Leben lebe. Das eigene und das der Töchter. Das überlastet meinen Prozessor im Kopf hin und wieder.

Standardreaktion: Ausflippen. An guten Tagen treibe ich dann Sport, um die Nervenbahnen frei zu blasen. An den restlichen 101 von hundert Tagen verklebe ich die Synapsen mit Schokoriegeln.

Wenn die Wogen sich geglättet, alle sich entschuldigt und umarmt haben, verblogge ich das Geschehene. Dadurch gewinne ich Abstand zu den Konflikten. Wenn sie wiederholt auftreten (und das tun sie gewiss), kann ich ihnen mit einem Lächeln begegnen – zumindest in 0,0001 von 100 Fällen.

Welche 3 Tipps würdest du frisch gewordenen Mamas an die Hand geben?

Seid gut zu euch selbst und opfert euch nicht selbst auf! Im Gegenteil feiert euch und gönnt euch was. Das mag jetzt keine populäre Aussage sein. Doch insbesondere in den sozialen Medien, werden Frauenbilder verstetigt, die mir echt sauer aufstoßen. Da ist von der selbst aufopfernden Mutter die Rede, die dem Kind zuliebe über ihre Grenzen geht und heulend unter der Dusche steht. Dafür erfährt sie maximale Wertschätzung. Sorry. Das ist absoluter Mumpitz.

Holt euch Hilfe, wenn euch danach zumute ist und gebt euer Baby auch mal ab. Es nimmt keinen Schaden davon, aber ihr könnt bei einem einstündigen Spaziergang maximal Kraft tanken. Viele Mamas vergessen sich und ihre Bedürfnisse. Mir ging es bei dem ersten Baby genauso. Vorübergehend ist das sicherlich möglich. Es sollte kein Dauerzustand werden.

Wie man gut zu sich selbst ist? Internet ausschalten ist ein Anfang. Frei machen von den Meinungen anderer und seiner Intuition vertrauen, sich vergegenwärtigen, dass nix perfekt sein muss – weder das Baby noch die Mama.

Und für diejenigen Mamis mit Schrei- oder High-Need-Babys empfehle ich zusätzlich Ohropax und Kuscheln, Kuscheln, Kuscheln.  

Mamas am Tisch
Auf ihrem Blog „Mamastisch“ lädt sie andere dazu ein, an ihrem Familienalltag teilzuhaben.

In deiner Vorstellung hast du erwähnt, dass du einen eigenen Familienblog hast. Erzähl mal, was du machst und was deine Mission ist?

Auf meinem Blog lade ich junge Eltern (und auch ältere) dazu ein, an unserem Familienalltag mit all seinen typischen und untypischen Herausforderungen teilzuhaben. Alle Groß-, Schwieger- oder Nicht-eltern dürfen natürlich auch vorbeigucken. Sogar Synchronschwimmer:innen. Ich bin da tolerant. Nur marmorierte Baumwanzen. Die müssen draußen bleiben.

Meine Mission: Ein schlechtes Beispiel abgeben! Den Durchschnitt feiern! Den Herausforderungen des Familienalltags mit gaaaaanz viel Humor begegnen. Humor heilt.

Lange Zeit befand ich mich in dem Irrglauben, dass wir die neurotischste Tochter, der cholerischste Mann und die unfähigste Mama sind. Bis mir immer mehr Leute schrieben und uns einen Dachschaden bestätigten. Da wurde es zu Gewissheit.

Nein, tatsächlich fragten sie mich, ob ich bei ihnen Zuhause Mäuschen gespielt hätte. Da wusste ich, ich bin nicht allein.

Es ist doch so: Wenn ich sehe, dass jemand die gleichen bescheidenen Probleme hat oder sogar noch tiefer als ich ins Klo gegriffen hat, entspannt das und nimmt den Druck von mir. Mein Blog ist daher wie ein Ventil.

Mit meinen Geschichten möchte ich unterhalten, sodass die eigenen Alltagsprobleme in Vergessenheit geraten. Ein bisschen wie Alkohol. Nur in gesund. Und ohne Kater. Am Ende hat man dann vielleicht etwas mehr Gelassenheit gegenüber den eigenen Unzulänglichkeiten.

Woraus ist die Idee zu deinem Blog entstanden?

Bereits in meiner ersten Elternzeit 2017 habe ich mit dem Bloggen begonnen. Wirklich zur Leidenschaft wurde der Blog allerdings in meiner Kinderwunschzeit. Hier habe ich meine 3 Fehlgeburten verarbeitet und meine Reise vom Hibbelhonk zum Mamahonk verbloggt. Das war meine mentaler survival guide.

Bis heute ersetzt mein Blog die Psychotherapie. Der Plan ist, bis 2025 ein Buch mit Hilfe des Blogs zu veröffentlichen. Und angestellte Millionärin in Teilzeit zu werden. Das hat aber Zeit bis 2030.

Wie und wo bist du erreichbar? 

Mich erreichen und mitlesen könnt ihr über meinen Blog „Mamastisch“.

Möchtest du gerne die Erfahrungen von anderen Mamas lesen? Dann stöber dich doch durch die Mom-Portraits Reihe durch. Wenn du selbst Teil dieser wunderbaren Reihe werden möchtest, dann melde dich gerne bei mir.

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Was für eine sympathische junge Frau😉 Gäbe es Nobelpreise für Mamas, hätte sie einen👌😎 (Das wollte ich schon immer mal schreiben.)
    Jenny, danke Dir für die entspannte und unkomplizierte Zusammenarbeit. Das hat Spaß gemacht. Mach weiter so!

    1. Jenny Macholdt

      Liebe Manja danke Dir für deine Teilnahme – hat echt Spaß gemacht. Ich freue mich auf etwaige weitere Zusammenarbeiten ☺️

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Schön, dass Du da bist!

Jenny Macholdt

Ich bin Jenny, seit 2020 Mama eines
kleinen Wirbelwindes und Gründerin
von Moms 4 Moms. Meine Mission ist 
es Mütter miteinander zu verbinden,
frei nach dem Motto: „Gemeinsam, 
statt einsam“

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